Taxifahrer sind die besten Fremdenführer im Ausland, bei ihnen kann man ohne falsche Scham in der Fremdsprache plaudern, und fast jeder hat eine ganz besondere eigene Geschichte, manchmal banal, manchmal spannend und in ganz besonderen Momenten überraschend, unerwartet und eine bleibende Erinnerung.

Die Grenze zwischen Kasachstan und Kirgistan ist derzeit wegen des kirgisischen Aufstands Anfang April noch geschlossen – zumindest teilweise. Ausländer und kasachstanische Staatsbürger dürfen passieren, nicht jedoch Kirgisien. Der Grenzverkehr hat dadurch erheblich abgenommen, meiden viele Kasachen jetzt doch die Fahrt nach Kirgistan, weil die Lage dort ihrer Meinung nach unsicher ist. Wer nicht wirklich nach Kirgistan muss, lässt es also.

Marschrutkas fahren dennoch von Almaty in Richtung Bischkek, allerdings nur bis Korday, den Grenzort auf dem Weg nach Bischkek, unregelmäßig zwar, aber sie fahren. Statt 1.000 Tenge zahlt man jetzt nur noch 800, ca. 4,50 Euro. Dann geht es zu Fuß über die Grenze – wie auch bisher immer – und hinter der Grenze bringen einen nun kirgisische Taxis nach Bischkek hinein.

Das gleiche gilt für die Rückfahrt, nur warten dann auf kasachischer Seite keine Marschrutkas, man muss also wohl oder übel mit dem Taxi fahren. Die übliche Taktik der kasachischen Taxifahrer – die in einem Pulk auf potenzielle Kunden einstürmen – „es fehlt nur noch ein Mitfahrer!“ Wenn man dann allerdings vor dem Auto steht, ist weit und breit kein Mitfahrer zu sehen, es hieße warten, vielleicht eine Stunde, vielleicht auch mehr, bis sich noch jemand findet, der auch nach Almaty will.

Kasbek – rosa Hemd, Anzug und coole Sonnenbrille – fing das etwas geschickter an. Er bot an, schon mal einzusteigen, loszufahren und weiter unten in der Ortschaft nach weiteren Fahrgästen zu suchen. Das fühlt sich psychologisch einfach besser an, erst mal losfahren, ohne zu warten mit ungewisser Wartezeit. Für 4.000 Tenge, brächte er mich ohne weitere Mitfahrer direkt nach Almaty.

Prinzipiell habe ich nichts gegen Mitfahrer, im Gegenteil, es wird nicht nur billiger, sondern ist unter Umständen auch unterhaltsam.  Und Kasbek hatte richtig Glück, nur ein paar hundert Meter weiter hinter der Grenze, warteten schon weitere Passgiere, die von Korday nach Almaty wollsten, erst eine junge Frau, dann noch ein Ehepaar. Wunderbar für mich – ohne Wartezeit ging es direkt nach Almaty, in zweieinhalb Stunden, für 2.000 Tenge. Lohnenswert für Kasbek – statt 4.000 verdiente er 8.000 Tenge.

Und interessant für uns alle, denn Kasbek fuhr nicht nur schnell, sondern lief durch die blonde Ausländerin an seiner Seite zur Höchstfom auf – Heiratsantrag inklusive. Er selbst habe zwei erwachsene Söhne, einer in der Politik, der andere Finanzpolizist. Er sei Ringer, so Kasbek, habe in Moskau studiert und sei heute Trainer der kasachischen Ringer-Mannschaft.

Auch das Ehepaar erinnerte sich bröckchenweise an sein in der Schule erlerntes Deutsch und ehemalige deutsche Klassenkameraden.  Am Ziel angekommen zückte Kasbek dann noch ein sorgsam verpacktes Foto-Album, das seinen Neffen an der Seite des kasachischen Präsidenten Nasarbajew zeigte – er sei der Pilot der Regierungs-Boing, so Kasbek stolz.

Falls ich also irgendwann mal ein Business in Kasachstan gründen wolle, könne ich mich an ihn wenden, er habe die Kontakte. Danke, Kasbek, ich komme bei Gelegenheit darauf zurück, Deine Telefonnummer habe ich ja.