Provokante Posen, eingängige Rhythmen und knackige Beats: Pop in Zentralasien ist vielseitig. In der dritten Folge von Shashlyk Mashlyk wird es musikalisch. Dazu haben wir uns dieses Mal einen Experten geholt.

Florian Coppenrath promoviert zu Hip-Hop in Zentralasien. Er ist Mitbegründer des Online-Magazins Novastan und hat drei Jahre in Kirgistan gelebt. Momentan forscht er in Bischkek.

Über Pop in Zentralasien hat er jede Menge zu erzählen: In welcher Sprache wird gesungen und warum? Wie verdienen die Künstler Geld? Und wie politisch ist die Musik eigentlich?

Unser Experte Florian Coppenrath: Er promoviert derzeit zu Pop  in Zentralasien (Foto: Madina Bikulova)

Patriotismus & Hochzeiten

Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, spielen viele Musiker auf Hochzeiten. Da diese in Zentralasien traditionell immer groß gefeiert werden, sind Hochzeiten eine wichtige Einnahmequelle für die Künstler. Das wird in der Szene kritisch beobachtet: Für die meisten ist es eher ein notwendiges Übel.

In Kirgistan ist PBL75 eine der bekanntesten Gruppen. Mit ihrem Song „Alga“ („Vorwärts“) liefert das Duo auch das Intro für Shaslyk Mashlyk. PBL75 sind sie beiden Rapper Ulukmanapo und G-Voo (aka Casper). Sie performen auf Russisch und Kirgisisch. Damit folgen sie einem Trend: Kirgisischsprachige Musik wird in dem kleinen Land immer populärer. Gleichzeitig sind die beiden auch zunehmend in Russland erfolgreich.

Neue Männlichkeit im Q-Pop

Eine der bekanntesten Bands Kasachstans ist Ninety One. Die 2015 gegründete Boy-Group hat aus dem Phänomen K-Pop (Popmusik aus Südkorea) eine kasachiche Variante geformt: Qazaqstan-Pop oder auch Q-Pop. Dabei treffen koreanische, kasaschiche und westliche Musikstile wie Hip-Hop, RnB und Toi aufeinander.

Trotz ihrer Beliebtheit werden die fünf Jungs immer wieder angefeindet, weil sie mit ihrem androgynen Aussehen eben nicht dem traditionellen Männlichkeitsbild in Kasachstan entsprechen.

Zensur in Usbekistan

Lola Yuldasheva entspricht nicht den Erwartungen der usbekischen Sittenwächter. Die Lizenzbehörde für Musiker entzog ihr 2015 die Konzerterlaubnis, weil sie während eines Auftritts ein am Rücken zu tief ausgeschnittenes Kleid trug. Ihr Stil entspreche nicht der nationalen Mentalität in Usbekistan, hieß es in der Begündung.

Die 34-Jährige Lola ist seit fast 20 Jahren im Musikbusiness tätig. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie ein Musikvideo für ihre Single „Sevgingni menga ayt“ (Erzähl mir von deiner Liebe), in dem sie die Zensur von Sängern und Musikern in Usbekistan aufgreift. Das Video wurde von Fans als „sozialer Protest“ und „revolutionär“ gefeiert. Usbekische Regierungsbeamte kritisierten das Musikvideo jedoch.

Pop in Zentralasien ist also durchaus auch politisch. Umso mehr, wenn es um Turkmenistan geht.

Turkmenischer Rap

Wer in Turkmenistan Musikfernsehen schaut, wird oft den Präsidenten sehen. Gurbanguly Berdimuhamedow ist für seine Auftritte berüchtigt. Er haut in die Tasten, steht an den Turntables und rappt dabei. In seinen Texten geht es auch gerne mal um das Lieblingspferd des Diktators.

Dass es aber erstzunehmenen Rap aus Turkmenistan gibt, beweist Abdy Dayy. Mit gerade mal Anfang 30 zählt er schon zu den Urvätern des turkmenischen Hip-Hop.

Fern der Heimat Tadschikistan

Migration ist allgegegenwärtig in Zentralasien. Fast jeder hat einen Verwandten oder Bekannten, der sein Glück im Ausland sucht. Vor allem nach Russland zieht es viele Zentralasiaten.

Die Sängerin Manizha floh während des Bürgerkriegs in Tadschikistan mit ihrer Familie nach Moskau. Damals war drei Jahre alt. In ihrem Song „Nedoslawjanka“ geht es darum, dass sie – obwohl in Russland aufgewachsen – bis heute als Zentralasiatin gilt und nicht slawisch genug ist.

Shashlyk Mashlak (03) - Pop in Zentralasien

von Shashlyk Mashlyk - Der Zentralasien-Podcast