Jüdische Zeitung, 01-2007

„Borat“ zum Trotz: Im Vielvölkerstaat Kasachstan fühlen sich Juden wohl. Die jüdische Kultur und Religion erlebt eine Renaissance

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Beim Thema „Borat“ muss man Yeshaya Cohen, den obersten Rabbi von Kasachstan, nicht lange bitten. Viele haben ihn schon nach seiner Meinung zum Film des britischen Komikers Sacha Baron Cohen gefragt, auch  Reuters und AFP waren hier. „Das Interesse an den Juden in Kasachstan ist derzeit riesengroß“, so Cohen, der Rabbi. Denn Antisemitismus sei eines der Klischees, das der Brite den Kasachen unterstellt habe. Nun wolle die Welt eben wissen, was wirklich dran sei. Und? „Nichts ist dran“, sagt der Rabbi. „So lange sich die jüdische Gemeinde hier in Kasachstan erinnern kann, gab es niemals Antisemitismus.“

[inspic=413,,fullscreen,285]Unglücklich wirkt der 35-Jährige über die derzeitige Publicity nicht. Im Gegenteil. „Baron Cohen hat Kasachstan mit seinem Film einen Riesendienst erwiesen“, ist der Rabbi überzeugt, „die Leute sind nicht so dumm zu glauben, was im Film an Unwahrheiten über das Land erzählt wird.“ Vielmehr wollten jetzt viele wissen, wie Kasachstan wirklich sei. Er selbst hat „Borat“ noch nicht gesehen, und wegen der vielen kleinen Bosheiten im Film werde er es wohl auch nicht tun. „Mir tut es gerade für den Juden Baron Cohen aufrichtig leid, dass er Kasachstan für seine Späße gewählt hat. Denn das Land hat unheimlich viel für das jüdische Volk getan“, so der Rabbi. „Das ist etwas, was Baron Cohen offensichtlich nicht weiß“.

In der Tat ist Kasachstan mit dem Schicksal vieler Juden aufs Engste verbunden. Anders als im benachbarten Usbekistan, wo sich die Buchara-Juden schon vor mehr als tausend Jahren niederließen, beginnt die jüdische Geschichte Kasachstans erst im 17. Jahrhundert. Ein paar Aschkenasim kamen damals aus Russland nach Kasachstan, meist als Angehörige der Zarenarmee.

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