In Tadschikistan verschärft die gegenwärtige globale Krise die ohnehin gravierenden wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes,. Experten warnen inzwischen vor einem gescheiterten Staat, einem „failed state“. Dabei galt Tadschikistan bisher als wichtiger Stabilitätsfaktor gegenüber dem Nachbarn Afghanistan.

Schon am Morgen fahren klapprige Taxis aus der Stadt an den Grenzposten vor der Metropole auf der tadschikischen Seite des Flusses Pjansch.

Ein Tor mit tadschikischen Grenzern davor, eine Brücke über den Fluss und schon ist man in Afghanistan, auf einem Markt, nicht größer als ein Fußballfeld. Der, obwohl nur ein staubiges Stück Niemandsland, würde jedem Basar im Orient Ehre machen. Es wird gefeilscht, Ware schön geredet und lauthals geschimpft, wenn etwas doch teurer ist als erwartet.

Die Tadschiken finden bei den afghanischen Händlern, was es in Ishkashim nicht gibt: Teppiche, Stoffe, Haushaltsgeräte, Radios, CDs und DVDs, Getreide, Kartoffeln. Alles bringen die Afghanen heran, um es ihren Nachbarn aus Tadschikistan zu verkaufen.

„Die Ware ist einfach billiger als bei uns“, sagt eine Tadschikin, die sich für die bunten Stoffe eines Afghanen interessiert. „Deshalb kommen wir regelmäßig hier herüber.“

Die Tadschikinnen decken sich meterweise mit Stoffen ein, aus denen sie sich später selbst Kleider schneidern. Die Ware selbst komme aus Pakistan, Indien und China, erzählt der afghanische Händler, der selbst in der Provinz Badakhshan, dem nordöstlichsten Zipfel Afghanistans lebt.

Obwohl die Afghanen in ihrem Land mit weitaus schwierigeren strukturellen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen zurechtkommen müssen, erscheinen sie hier in Ishkashim viel geschäftstüchtiger und souveräner als die Tadschiken.