Weil Holz fast der einzige Brennstoff ist und niemand den Holzschlag kontrolliert, sind die Auenwälder in den Tälern des tadschikischen Pamir-Gebirges stark geschädigt. Jetzt sollen die Dorfbewohner selbst den Wald bewirtschaften – und davon doppelt profitieren.

Knapp eine Woche braucht Sabrali Lutfaliev, um eine Tür aus massivem Kiefernholz zu schreinern. 350 Somoni kostet so eine Tür, etwa 75 Euro. Wenn man die Tür aber innerhalb von drei Tagen haben wolle, sei das denn auch möglich? Immerhin könnte er für den Express-Service dann pro Tür mehr Geld verlangen. „Hm“, Lutfaliev lächelt verlegen, „ja, möglich ist das schon, aber wir machen das hier nicht so. Es geht der Reihe nach. Und alle Türen kosten gleich viel.“

Ein Grundprinzip der Marktwirtschaft – einen besonderen Bedarf auch auf den Produktpreis umzulegen – hat Lutfaliev noch nicht wirklich verinnerlicht. Dabei sind seine Fenster und Türen gefragt, das Auftragsbuch ist voll. Denn der Tischler aus Khorog im Pamir nutzt eine Marktlücke. Er stellt Isoliertüren und -Fenster aus Holz her, die Fenster mit Doppelverglasung. Sie sind qualitativ hochwertiger als die Plastikfenster und -türen aus China, die hier sonst verkauft werden. Im Vergleich zu den alten Fenstern, die sich oft in schlechtem Zustand befinden, haben sie einen entscheidenden Vorteil: Wer Lutfalievs Produkte nutzt, muss weniger heizen, spart somit Geld und hat es trotzdem wärmer.

Fast drei Viertel ihres Einkommens geben manche Haushalte im Pamir für Brennholz aus, denn die Winter im Osten Tadschikistans sind lang und kalt. Die typischen Häuser der Region sind schwer zu heizen: Sie bestehen aus Lehm, oft mit Ritzen, durch die es zieht.

Viel Heizgenomenergie geht ungenutzt verloren. Doch über Wärmedämmung hatte man sich im Pamir zu Sowjetzeiten keine Gedanken machen müssen. Damals wurde die autonome Region Bergbadachschan im Osten Tadschikistans fast kostenlos mit Kohle, Öl und Gas beliefert. Mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 brach auch die Energieversorgung zusammen und Brennstoffe wurden plötzlich teuer – für die meisten Bewohner des Pamir sogar unerschwinglich.

Deshalb tat damals auch Mumisho Odinaev, ein Bauer aus dem Dorf Koside am Ufer des Pjandsch-Flusses, das, was alle seine Nachbarn taten: „Um überhaupt etwas zum Heizen und Kochen zu haben, haben wir Holz aus dem Wald geholt.“ Das war zwar illegal, aber Alternativen gab es keine. Ein Großteil der Waldflächen in Bergbadachschan gehört dem tadschikischen Staat, verwaltet werden sie durch die Forstbehörde Leskhoz. „Doch kontrolliert hat uns iemand“, sagt Odinaev. Schlechte Infrastruktur und fehlende Finanzmittel erlauben es der Forstbehörde bis heute nicht, das große Gebiet zu überwachen, geschweige denn zu bewirtschaften.

Die Folgen der Selbstbedienung sind heute deutlich sichtbar. Anstelle von ausgewachsenen Pappeln oder Weiden, von Aprikosen-, Sanddorn- oder Hagebuttenhainen ziehen sich Sanddünen am Ufer des Pjandsch-Flusses entlang. Schafe, Esel oder Ziegen fressen die jungen Sprösslinge ab und verhindern dadurch oft, dass Bäume und Sträucher nachwachsen können. Durch Abholzen und Überweidung sind die Auenwälder am Pjandsch mittlerweile stark zerstört, der fruchtbare Boden am Flussufer liegt brach, wird durch Staubstürme ausgeweht oder übersandet. Dennoch hat Mumisho Odinaev Hoffnung, dass auch in seinem Dorf bald wieder richtiger Wald wachsen wird. Denn die Forstbehörde hat ihm und seinen Nachbarn 54 Hektar Land verpachtet. Hier sollen nun die Dorfbewohner den Wald bewirtschaften. Odinaev ist Pächter eines knapp zwei Hektar großen Stücks Auenwald – auch wenn von Wald noch nicht viel zu sehen ist. Ein paar einzelne Hagebutten- und Sanddornsträucher stehen auf dem steinigen, kniehoch bewachsenen Areal. Nur zur Straße hin wurden ein paar hohe Pappeln vor dem Abholzen bewahrt.

Akzente (GIZ), 2011-01  

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