In der Umarmung des russischen Bären

von © Deutschlandfunk, Hintergrund, Vanja Budde, Edda Schlager

Zusammen mit Russland und Weißrussland begründet Kasachstan die Eurasische Währungsunion mit einer Wirtschaftsleistung von zwei Billionen US-Dollar. Doch das Vorgehen Russlands in der Ukraine-Krise wird dort argwöhnisch verfolgt – viele sehen nämlich die Union als ein Instrument des neuen russischen Imperialismus‘.

Ende August, rund 400 Kilometer nordwestlich von Moskau. Der russische Präsident Wladimir Putin ist wieder einmal auf Charmeoffensive unterwegs in seinem Riesenreich. Diesmal am Seligersee, wo die Putin-treue Jugendbewegung „Naschi“ – zu Deutsch „die Unsrigen“ – wie jedes Jahr ein Forum abhält. Zwei Stunden lang stellt sich Putin den Fragen von Studenten aus ganz Russland, leger in Strickjacke und wie immer breitbeinig vor dem Publikum sitzend. Eine junge Frau fragt nach Putins Plänen für Kasachstan: Sie sei beunruhigt über antirussische Tendenzen beim südlichen Nachbarn.

„Können wir ein ukrainisches Szenarios erwarten in dem Fall, dass Herr Nasarbajew seinen Posten als Präsident räumt? Gibt es dafür eine Strategie? Wir würden gerne den Anschluss vorschlagen, wenn das möglich ist. Und welche Perspektiven sehen Sie für die eurasische Integration?“

Putins – in Komplimente an den kasachischen Amtskollegen verpackte Antwort – schlug hohe Wellen in Kasachstan:

„Kasachstan, das ist der uns am nächsten stehende strategische Verbündete und Partner. Sie wissen, dass Nasarbajew ein sehr kompetenter Führer ist. Ich denke, im postsowjetischen Raum der kompetenteste. Er hat einen Staat aufgebaut, wo es vorher nie einen Staat gab. Die Kasachen hatten nie eine Staatlichkeit. Er hat sie geschaffen. Und da ist diese Idee eines eurasischen Raumes. Die Kasachen haben verstanden, dass dieser für sie von Vorteil ist, für die Entwicklung der Wirtschaft und um in der sogenannten großen russischen Welt zu bleiben, als Teil der Weltzivilisation.“

Die Kasachen ohne eigene Staatlichkeit? Kasachstan als Teil der großen russischen Welt? Viele Kasachen empfanden Putins Antwort nicht nur als herablassend gegenüber dem modernen Kasachstan, sie verstanden die Äußerungen als deutlichen Machtanspruch Russlands.

weiterlesen auf dradio.de