Kasachstan: Die Deutsch-Kasachische Universität DKU in Almaty

von © Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 10.01.2008, 4 min

Seit acht Jahren gibt es in Almaty in Kasachstan die Deutsch-Kasachische Universität – bisher eine eher kleine Hochschule unter deutscher Leitung, mit gerade einmal 250 Studenten. Im Rahmen der Zentralasien-Strategie der EU, die unter deutscher Ratspräsidentschaft verabschiedet wurde, soll die DKU zu einem Leuchtturmprojekt deutschen Engagements in der Region werden.

Als eine der großen Errungenschaften der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands im vergangenen Jahr gilt die Zentralasien-Strategie – eine Absichtserklärung, die Beziehungen zu dieser Region zu intensivieren. Eines der zentralen Themen, bei denen sich die zentralasiatischen Länder Unterstützung aus Europa erhoffen, ist die Entwicklung des Hochschulwesens.

Wie konkret aber ist das Engagement Deutschlands auf diesem Gebiet? Die DKU, die von deutscher Seite bisher wenig unterstützt wurde, erhielt nun eine Finanzspritze aus Deutschland. Mit der Hilfe von rund drei Millionen Euro sollen an der DKU neue Studiengänge etabliert und ein stabiles Finanzkonzept erarbeitet werden. Das Ziel: Eine wettbewerbsfähige private Hochschule mit deutschen Bildungsstandards.

„Wer sind denn die an einem Bauvorhaben Beteiligten? Wen braucht man denn, um ein Bauvorhaben herzustellen?“

Frage-Antwort-Spiel für Betriebswirtschafts-Studenten im 4. Semester, das Thema: Projektmanagement in Bauunternehmen.

Dozent Markus Viering steht vor Studenten in Almaty in Kasachstan. Unterrichtssprache ist Deutsch, denn das Seminar findet an der Deutsch-Kasachischen Universität, der DKU, statt.

Viering ist Gastdozent für nur einen Tag. Denn eigentlich ist der 42jährige Geschäftsführer eines Ingenieurbüros. Das Berliner Unternehmen baut gerade eine Dependance in Kasachstan auf. Dass der Bauingenieur sich nebenher als Dozent an der Deutsch-Kasachischen Universität engagiert, hat einen Grund:

„Wir haben einfach festgestellt, als wir auf die Suche gegangen sind nach kasachischen Ingenieuren, dass es leider gar nicht so viele gibt, die in unserem Tätigkeitsbereich tätig sind. Deswegen macht es Sinn, die Leute selbst auszubilden. Und da bietet sich die Deutsch-Kasachische Uni an, weil hier der Bedarf einfach groß ist.“

Kasachstan, eines der rohstoffreichsten Länder der Erde, boomt. Bislang gibt es allerdings kaum einheimische Fachleute. Deshalb sieht die DKU ihre Zukunft in der Ausbildung von Ingenieuren und Managern, auf internationalem Niveau und mit viel Praxisbezug.

Die Universität wurde 1999 gegründet, als private Hochschule nach deutschem Vorbild. Rund 250 junge Leute studieren hier, entweder BWL oder Politik, vier Jahre dauert das Studium, intensiver Deutschunterricht inklusive.

Doch bisher fehlte der DKU vor allem eines: Geld. Die Unterstützung von deutscher Seite war gering. Es fehlte an qualifizierten Dozenten und nicht zuletzt an Studenten selbst. Denn als private Universität, die sich über Studiengebühren finanziert, ist die DKU auf sie angewiesen. Allein in Almaty, der Wirtschaftsmetropole Kasachstans mit rund zwei Millionen Einwohnern, gibt es jedoch an die hundert staatliche und private Hochschulen, die jährlich um wenige tausend Abiturienten buhlen.

Aber jetzt soll sich die prekäre Lage der DKU ändern. Mit Beginn des neuen Studienjahrs hat der DAAD der Universität drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Damit sollen eine neue Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Studiengänge wie Umwelttechnik oder Verkehrslogistik etabliert werden – in Kasachstan bisher völlig unbekannt. Partner für die neuen Studiengänge sind mehrere deutsche Fachhochschulen.

Johann Gerlach, ehemals Präsident der Freien Universität Berlin und seit September Rektor der DKU in Almaty, sieht jedoch ein weitaus größeres Potential als den bloßen Export von deutschen Bildungsgängen.

„Zum Beispiel ist das Ziel, dass wir so in zwei, drei Jahren, richtige Doppelabschlüsse machen, das heißt, dass die dann damit in Deutschland ein Diplom oder einen Bachelor machen können und damit gleich zwei Grade haben. Wobei der deutsche natürlich dann insofern wichtiger wäre, als dass er ein Entree in die ganze EU ist als europäischer Bachelor.“

Noch ist die DKU weit von europäischen Standards entfernt. Denn im kasachischen Bildungssystem dominieren unflexible Curricula und Frontalunterricht. Praxisbezug fehlt nahezu völlig. Wenn kasachische Studenten zum Austausch nach Deutschland kommen, sind sie vom deutschen Studienniveau beeindruckt – so wie BWL-Studentin Assjel Batyrbajewa.

„Die erste Präsentation die ich gesehen habe, eine Studentin hat diese Präsentation so toll gemacht, ich war ganz begeistert. Unsere Studenten machen ihre Diplomarbeit nicht so gut wie diese Studentin die Belegarbeit vorbereitet hat.“

Das Studium an der DKU den deutschen Studiengängen anzugleichen, ist die Hauptaufgabe der nächsten Jahre. Ebenso nötig ist ein solides finanzielles Konzept. Beides braucht Zeit. Und beides geht nur gemeinsam mit den Kasachen. Denn überstülpen will man ihnen das Angebot nicht. Olga Moskowtschenko, Prorektorin und von Anfang an dabei, sieht hoffnungsvoll in die Zukunft.

„Ich freue mich, dass die DKU jetzt endlich so richtig von der deutschen Seite unterstützt wird. Für mich bedeutet das, dass die DKU in einer neuen Phase ist. Das Fundament ist gebaut, aber jetzt müssen die Wände gebaut werden.“